Nicht jede Geburt fühlt sich wie ein schöner Anfang an. Manchmal bleiben Spuren, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch.
Wenn das Erlebte nicht loslässt
Eine Geburt ist ein bedeutsames und emotionales Ereignis, das häufig mit bestimmten Vorstellungen und Wünschen einhergeht. Wenn die erlebte Realität davon stark abweicht, kann dies seelisch tiefe Spuren hinterlassen. Dabei ist nicht entscheidend, wie andere die Situation von außen bewerten. Ausschlaggebend ist, wie sie erlebt wurde.
Belastende Geburtserfahrungen können entstehen durch einen unerwarteten Verlauf oder medizinische Eingriffe, die sich übergriffig oder unkontrollierbar anfühlten, durch mangelnde Unterstützung oder das Gefühl, nicht gehört zu werden, durch Angst um das eigene Leben oder das des Kindes sowie durch den Verlust des Kontrollgefühls.
Wenn Betroffene nach der Geburt hören: „Es ist doch alles gut gegangen" und dennoch spüren, dass etwas nicht stimmt, so ist dieses Erleben berechtigt. Gefühle brauchen keine Rechtfertigung.
Welche Folgen können belastende Geburtserlebnisse haben?
Schwierige Geburtserfahrungen können zu ausgeprägter Traurigkeit, Wut, Selbstzweifeln, Angstzuständen und Depressionen führen. Sie können die Beziehung zum Neugeborenen belasten, den Alltag mit Baby und Partner erschweren und den Druck durch eigene und familiäre Erwartungen schmerzhaft verstärken. In manchen Fällen entwickelt sich eine posttraumatische Belastungsstörung, und der Gedanke an eine weitere Schwangerschaft fühlt sich unvorstellbar an.
Wie kann psychotherapeutische Begleitung helfen?
Im Mittelpunkt steht zunächst das Gespräch. Der Raum, die eigene Geschichte zu erzählen, gehört zu werden und das Erlebte so sein zu lassen, wie es war. Ohne Bewertung, ohne den Druck, schnell darüber hinwegkommen zu müssen. Manchmal braucht es genau das: jemanden, der zuhört und die Gefühle mittragen kann. Darauf aufbauend finden wir gemeinsam heraus, welche weiteren Ansätze sich stimmig anfühlen.
Ein Verfahren, das sich bei der Verarbeitung traumatischer Geburtserfahrungen als hilfreich erweisen kann, ist die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Sie lädt dazu ein, eigene Gefühle und Gedanken anzunehmen, anstatt gegen sie anzukämpfen, und den Blick wieder auf das zu richten, was im Leben wirklich wichtig ist. Achtsamkeits- und Entspannungstechniken können dabei unterstützen, den Stresspegel zu senken und emotionale Stabilität zu stärken.
Das Angebot richtet sich an Frauen nach schwieriger Entbindung sowie an Partnerinnen und Partner, die das Erlebte ebenfalls verarbeiten möchten.
Sie sind nicht allein damit.
Ein erster Schritt
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Geburtserfahrung noch nachwirkt, und wenn Sie sich Unterstützung dabei wünschen, das Erlebte einzuordnen und loszulassen, dann ist eine erste Kontaktaufnahme ein möglicher Schritt. Gemeinsam schauen wir, was guttut und was helfen kann.
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