Ein Druck in der Brust. Ein Ziehen im Bauch. Schwitzige Hände, ein Kloß im Hals oder das Gefühl, innerlich einzufrieren. Gefühle melden sich zuerst im Körper, oft lange bevor wir wissen, was wir eigentlich fühlen. Und trotzdem haben viele von uns gelernt, genau dort nicht hinzuschauen. Zu funktionieren, weiterzumachen, nicht zu viel Raum einzunehmen.
Das ist kein Zufall. Und es ist auch keine Schwäche. Denn Gefühle können überwältigend sein. Sie können lähmen, eskalieren lassen oder dazu führen, dass wir Situationen oder Menschen meiden, um dem damit verbundenen Gefühl nicht zu begegnen. Wer früh gelernt hat, dass Gefühle gefährlich oder störend sind, entwickelt oft Strategien, die diese auf Abstand halten. Manchmal so funktionierende Strategien, dass diese Person irgendwann kaum noch spürt, was in ihr vorgeht.
Warum wir gelernt haben, Gefühle schnell wegzuschieben
Als Kinder sind wir darauf angewiesen, dass unsere Gefühle willkommen sind. Wenn das nicht oder nur bedingt möglich war, lernen wir schnell: Gefühle sind zu viel. Sie stören. Sie passen nicht. Manchmal reicht dafür ein „Stell dich nicht so an." Oder das stille Signal, dass Harmonie wichtiger ist als Ehrlichkeit. Oder einfach eine Umgebung, in der keine Zeit und kein Raum für Gefühle war.
Was bleibt, ist ein Muster: Gefühle kommen, und wir wollen, dass sie wieder gehen.
Angst ist nicht gleich Angst
Am Beispiel von Angst lässt sich gut zeigen, wie schwer es manchmal ist, Gefühle einzuordnen. Denn Angst hat viele Gesichter. Was sich als Angst anfühlt, ist manchmal Unsicherheit, Instabilität, ein mulmiges Bauchgefühl, Verwirrtsein oder Einsamkeit. Das Rad der Gefühle, ein Werkzeug aus der Emotionsforschung, zeigt, wie viele Nuancen unter einem einzigen Begriff stecken können. Wer benennen kann, was da ist, kann auch besser damit umgehen.
Gefühle als Signal, nicht als Problem
Schwierige Gefühle sind keine zufälligen Besucher. Sie können entstehen, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Zugehörigkeit, nach Anerkennung oder nach Nähe. Wenn eines dieser Bedürfnisse nicht gestillt wird, meldet sich ein Gefühl. Es ist kein Problem, das gelöst werden muss. Es ist ein Signal, das gehört werden möchte.
Was möglich wird, wenn wir anfangen zu fühlen
Wer lernt, auf seinen Körper zu hören, macht oft einen wichtigen ersten Schritt. Die Enge in der Brust, das Kribbeln in den Händen, die Unruhe im Bauch, das sind keine Störungen. Das sind Hinweise. Und je mehr wir lernen, diese Signale wahrzunehmen und zu benennen, desto weniger Macht haben sie über uns. Nicht weil die schwierigen Gefühle aufhören, sondern weil sie nicht mehr so viel Kraft kosten.
Sie sind nicht allein damit.
Ein erster Schritt
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Gefühle bei Ihnen entweder zu laut sind oder zu wenig spürbar, wenn Sie merken, dass Sie so stark unter bestimmten Gefühlen leiden, dass Sie sie immer wieder stumm schalten, oder wenn Sie einfach kaum noch spüren, was Sie eigentlich bewegt, dann ist das ein guter Anlass, genauer hinzuschauen. Ich freue mich über Ihre Nachricht.
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